Erscheinungsweise

 
zweimal jährlich,
im März und September

REDAKTION

 
Dr. Lutz Müller,
Anette Müller,
Bernd Leibig,
Margarete Leibig,
Dieter Volk

Layout und Korrektur:
 
Barbara Fischer,
Sabine Gottmann

BEIRATSMITGLIEDER

 
Dr. Irene Berkenbusch
(ISAP Zürich)
Dolores Henke
(CGJ-Forum Freiburg)
Esther Böhlcke
(CGJ-Gesellschaft Hannover)
Dr. Renate Daniel
(CGJ-Institut Küsnacht)
Christiane Neuen
(CGJ-Gesellschaft Köln)
Ursula Arlart
(CGJ-Gesellschaft Ulm)
Susanne Lindtberg
(Psychologische Gesellschaft Basel
Volker Münch
(CGJ-Gesellschaft München)
Dieter Schnocks
(CGJ-Gesellschaft Stuttgart)
Dr. Andreas Schweizer
(Psychologischer Club Zürich)
Dörte Wrede
(CGJ-Gesellschaft Hamburg)

Verlag Opus Magnum


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opus-magnum® veröffentlicht digitale Dokumente aus allen Bereichen der Wissenschaft, Kunst und Religion, die sich einer Förderung der Huma­nität, der Individuation, der Lebenskultur und der schöpfe­rischen Lebensgestaltung verpflichtet fühlen.
Heft-Nr. 33: Musik - Klang der Seele Drucken E-Mail
Heft 33 gross

Heft Nr. 33  •  März 2015

Schwerpunkt:

Musik - Klang der Seele
 
Leseprobe:

Liebe Leserinnen und Leser,

die Musik sowohl in ihrer Gesamtheit wie auch in vielen ihrer einzelnen Aspekte gleicht einem vieldimensionalen lebendigen Mandala: In ihr kann sich die dynamische Fülle des Selbst symbolisieren. Männliches und Weibliches, Dunkles und Helles, Oberes und Unteres, Passives und Aktives, Geistiges und Erdhaftes, Bewusstes und Unbewusstes, Chaotisches und Harmonisches, Ekstatisches und Leidvolles, Erotisches und Kämpferisches verbinden sich in ihr zu einer schöpferischen Einheit.

Musik ist Ausdruck des fließenden, ständig sich wandelnden Seelen- und Lebensprozesses, in dem sich die verschiedensten Gegensätze in unendlichen Variationen, Färbungen und Nuancen immer wieder vereinen und lösen, auseinanderstreben und zusammenfließen, bekämpfen und versöhnen.

Die tiefreichende Wirkung der Musik auf uns liegt auch darin begründet, dass Töne und Geräusche uns von allem Anfang an durch unser Leben begleiten. Bereits im Mutterleib sind wir über das Hören mit dem Pulsschlag und den Urtönen des Lebens verbunden. Töne stellen die früheste wahrnehmbare Verbindung mit unserer Außenwelt dar.

Musik im weiteren Sinn kommt uns überall in der Natur entgegen. Singende Vögel, summende Insekten, Donner, Regen, Sturm, Hagel, das Rauschen des Meeres, eines Wasserfalls, das Gluckern einer Quelle oder eines Flusses, bedrohliches Knurren, Brüllen von Tieren: All das ist mehr als nur Geräusch, es ist Ausdruck des Lebens, „Lebensmusik", die uns mit unserem naturhaften und unserem göttlich-kosmischen Hintergrund verbindet.

Musik kann uns wie kaum eine andere Kunstform unmittelbar und tief ergreifen. Wir können uns ihrem zauberhaften Einfluss wenig verschließen. Musik erfasst unseren Geist, unsere Seele und unseren Körper als Einheit, wirkt auf unsere Stimmungen und Gefühle ein, sie steckt uns an, und wir beginnen sehr bald, sie auch auszudrücken, sei es im Schlagen des Rhythmus, sei es im Gesang und Tanz. Sie ist eine unserer elementarsten Lebenserfahrungen und Lebensäußerungen, in ihr und durch sie pulsiert das Leben.

Musik ist mit allen Lebensbereichen verknüpft: mit Arbeit, Entspannung, Freude, Tanz und Feier, Spaß und Spiel, Kampf, Krieg, Krankheit, Klage und Tod.

Musik ist ganzheitlich: Sie hat einen rationalen, nach Ordnung, Struktur und Klarheit strebenden Logos-Aspekt, ebenso einen starken Eros- und Gefühlsaspekt; es besteht ein ständiger Kampf zwischen Kontrolle und Hingabe, Festgefügtheit und Improvisation, Konzentration und Auflösung. Sie hat einen körperhaften Aspekt, und sie kann uns in den Bereich der Ahnung, des Unsagbaren, Intuitiv-Erfahrbaren, in transpersonale, symbolisch-archetypische Dimensionen unserer Seele führen.

Musik kann also sowohl strukturbildend, konzentrierend und klärend wirken und damit geistige Prozesse fördern, wie auch auflösend und rauschhaft sein. Dann stellt sie eine Verbindung zu den archaischen, triebhaften Urgründen unserer Seele und unseres Körpers her.

Solche ekstatische, dionysische Musik kann für den zivilisierten Menschen, der seine Verbindung zum natürlichen Leben verloren hat, heilend und wandelnd wirken. Auch die moderne Jazz-, Rock-, Technomusik können diese Bereiche beleben. Dass Jugendliche sich zu dieser Musik hingezogen fühlen, ist Ausdruck dafür, dass sie mit den Elementarkräften des Lebens (Bewegung, Sexualität, Aggressivität) in Berührung kommen wollen und diese Kräfte in ihnen nach Erfahrung, Ausdruck und Kanalisierung drängen.

Praktisch jedes einzelne Element der Musik kann zum Träger symbolischen Ausdrucks werden. Die Verwendung von bestimmten Instrumenten, Tönen, Tonarten, Melodien, Rhythmen, Tempi, Pausen, Figuren und Musikformen wurde schon in der Musik der alten Hochkulturen bewusst gestaltet und symbolisch eingesetzt.

Wir wissen, was es heißt, in „Moll" gestimmt zu sein, und spüren die aufhellende Wirkung des „Dur". Wir spüren, wie Märsche und Ouvertüren, wie Blechinstrumente, Pauken und Trompeten unmittelbar unseren Körper ansprechen, uns ermutigen, aktivieren, solidarisieren, uns das Gefühl von Energie und Kraft geben und das Heroische in uns wecken, wie sie uns helfen, Spannungen und Aggressionen abzureagieren.

Wir können erleben, wie die zarten, leisen Töne, vielleicht von Violinen, Harfen und Flöten, uns entspannen, uns öffnen für unsere weicheren, hingebungsbereiten Seiten, für die Liebe, für die Meditation.

Eine bestimmte Musik kann für einzelne Menschen oder Gruppen zum Symbol und Programm werden, ihr Lebensgefühl ausdrücken, wie zum Beispiel Wagners Opern im 19. Jahrhundert, der Beat in den 60er, der Techno in den 90er Jahren.

Musik scheint zugleich aus tiefsten wie aus höchsten Dimensionen zu kommen. Noch mehr als bei den bildenden Künsten können wir durch die Musik eine Verbindung zu „unsichtbaren", nicht anschaulichen, nicht konkreten Welten, zum göttlichen Kosmos wie zum Göttlichen in uns selbst erfahren.

Musik wurde schon in den alten Hochkulturen als von den Göttern kommend angesehen und als Ausdruck der Verbindung von Gott und Welt, Mensch und Kosmos und der Harmonie verstanden. In religiöser und kultischer Musik ist diese Bewusstseinsveränderung und -erweiterung ganz offensichtlich ein Ziel.

Ein symbolisch überaus ergiebiges Beispiel für alle diese umfassenden Aspekte ist Mozarts Oper „Die Zauberflöte", die uns deshalb durch dieses Heft und die einzelnen Themen begleiten soll.

So wünschen wir Ihnen und uns mit diesem Heft eine zauberhafte Reise durch die Mysterien der Musik.

Ihre
Anette und Lutz Müller
die vielen spielerisch-kreativen Methoden. Dennoch
gibt es nur sehr wenige positive Äußerungen
zum Glücksbegriff oder zur Freude bei
Jung.
In einem Interview antwortete Jung auf die
Frage, was nach seiner Ansicht die Voraussetzungen
zum Glücklichsein sind:
„1. Eine gute körperliche und geistige Gesundheit.
2. Gute persönliche, nahe Beziehungen wie
z. B. in der Ehe, in der Familie, und in Freundschaften.
3. Die Fähigkeit, das Schöne in der Kunst
und der Natur wahrzunehmen.
4. Angemessene Lebensbedingungen und
eine befriedigende Arbeit.
5. Eine philosophische oder religiöse Weltanschauung,
die einem helfen kann, mit den
Schwierigkeiten des Lebens erfolgreich zu
Rande zu kommen.“ (Jung, Gespräche mit
C. G. Jung, 1986, S. 313)
Damit benennt Jung durchaus einige der
grundlegenden Faktoren, die auch von modernen
Glücksforschern als zentral bezeichnet
werden. Er ist aber sehr zurückhaltend, was
ein aktives Anstreben und dauerhafteres Erreichen
von Glückszuständen angeht und betont,
dass Leiden und Glück ein dem Leben notwendiges
Gegensatzpaar sind.
„Selbstverständlich kann es ohne Leiden kein
Glück geben. Der deutsche Philosoph Schopenhauer
sagte, Glück sei nur das Ende des
Leidens. Das ist eine etwas negative Definition.
Insofern Leiden ein sehr realer Zustand ist,
muß Glück ebenso real sein. Aber bedauerlicherweise
können die beiden nicht ohne einander
bestehen. Sie sind so eng verbunden,
daß Glück leicht in Leiden umschlägt, wie umgekehrt
intensivstes Leiden eine Art übermenschlichen
Glücksgefühls hervorrufen kann.
Sie bilden ein dem Leben unerlässliches Gegensatzpaar.“
(Jung, Briefe 1, S. 313)
„Alle Faktoren, die man gemeinhin als glückbringend
betrachtet, können unter bestimmten
Umständen das Gegenteil hervorbringen.
Selbst die idealsten Voraussetzungen sind
keine Garantie für das Glück. Eine vergleichsweise
kleine Störung im biologischen oder seelischen
Gleichgewicht kann genügen, um das
Glück zu zerstören. Weder eine gute Gesundheit,
noch günstige finanzielle Verhältnisse,
noch ungetrübte Familienverhältnisse können
einen z. B. vor unsäglicher Langeweile bewahren
- vor einer Langeweile, bei der sogar eine
Veränderung der Verhältnisse, durch eine nicht
zu schlimme Krankheit ausgelöst, eine willkommene
Abwechslung wäre.“ (Jung, Gespräche
mit C. G. Jung, 1986, S. 314 f)
Diese polare Sichtweise von Glück und Unglück
hat aber dennoch dem Glückserleben in
Jungs Werk nur wenig Raum eingeräumt, wenn
man davon absieht, dass die Individuation für
ihn das höchste Glück darstellt (vgl. Zitat S. 8)
Unter den deutschsprachigen Autoren der
Analytischen Psychologie sind es insbesondere
Verena Kast (z. B. Freude, Inspiration,
Hoffnung, 1991), Lutz Müller (z. B. Trotzdem ist
die Welt ein Rosengarten, 1996, 2010) und Riedel
(z. B. Geschmack am Leben finden, 2004),
die in ihren Büchern immer wieder auch die
positiven Aspekte des Lebens in den Mittelpunkt
stellen. Verena Kast hat beispielweise
empfohlen, neben der üblichen Krankheitsanamnese
auch eine Glücks- und Freudenanamnese
zu erheben und diesbezüglichen Tabuisierungen
und Hemmungen therapeutisch
aufzuarbeiten.
Gleichwohl entsteht der Eindruck, dass die
Analytische Psychologie im Hinblick auf den
bewussten Einbezug von Glücks- und Wohlfühlfaktoren
in ihr Persönlichkeits- und Behandlungskonzept
noch einigen Nachholbedarf
hat. Dabei sind wir überzeugt, dass dies
rasch und mühelos gelingen kann, weil die
Grundausrichtung der Analytischen Psychologie
schon immer ganzheitlich, kreativ, final-prospektiv
orientiert ist.
Wir würden uns freuen, wenn es den Autoren
dieses Heftes gelingen würde, auch in Ihnen
Hoffnung und Begeisterung dafür zu wecken,
dass Dankbarkeit, Freiheit, Liebe, Freude,
Glück, Humor und schöpferisches Leben Werte
sind, für die es sich lohnt, zu leben.
Ihre Anette und Lutz Müller
 

INHALTSÜBERSICHT


  • EDITORIAL
    SCHWERPUNKT:

    Musik - Klang der Seele
  • Gerhard Heydt
    Musik, Musik, Musik
  • Peer Abilgaard
    Von der Sehnsucht nach einer Musik, die heil macht
  • Bernd Leibig
    Der Archetyp der Resonanz
  • Johannes Dürr
    Gottes heiliger Lärm. Die Bedeutung der Orgel im Wandel der Zeiten
  • Karl-Josef Kuschel
    Erfahrungen mit der Orgelmusik von Johann Sebastian Bach
  • Luise Reddemann
    Einige Gedanken zur Wirkung der Matthäuspassion
  • Jörg Rasche
    Beethoven, postheroisch
  • Beate Kortendieck-Rasche
    Tango – Begehren und Begegnen
  • Anna Röcker
    Musik und Achtsamkeit
  • Josef Marty
    Alpsegen
    Ein alpiner Sprechgesang und seine magischen Hintergründe
  • Klaus Aichele
    „Hie kann nit sein ein böser Mut...“
    Warum es gut ist, in einem Chor zu singen
  • Wolfram Frietsch
    Musik und Zahlensymbolik
  • Christian Bolte
    Die Wesensverwandtschaft von Physik, Musik und Informatik


    FÜR SIE GESEHEN
  • Dieter Volk
    Die fabelhaften Baker-Boys
     

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Aktuelles Heft
Heft Nr. 33 • März 2015
Hinweis für den Buchhandel (Libri): Jung Journal 33 • Forum für Analytische Psychologie und Lebenskultur • (Broschiert) von Dr. Lutz Müller (Herausgeber) • ISBN: 978-3-939322-33-7

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